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Kann die Raumluft „zu“ sauber werden? – Notwendige Bakterien und Pilze

Luftreinigungsgeräte dienen in Räumen dazu, Fremdpartikel wie Feinstaub, Schadstoffe sowie je nach Filterbestückung Bakterien und Viren aus der Raumluft zu entfernen. Schließlich atmen wir die Raumluft ein und sie soll so wenig wie möglich belastet sein. Aber kann es auch ein Zuviel des Guten sein? Nicht alle Mikroorganismen sind schädlich für uns und einige sogar wichtig. Ein Luftreiniger unterscheidet jedoch nicht zwischen notwendigen Bakterien und schädlichen Mikroorganismen. Diese Frage werde ich beantworten.

Raumluft zu sauber - Bakterien -

Was filtert ein Luftreinigungsgerät wirklich aus der Raumluft?

Es gibt unterschiedliche Luftreinigungsgeräte, wobei die meisten mit hocheffizienten Schwebstofffiltern (HEPA-Filter) arbeiten. Im Prinzip entscheidet die Größe der Partikel, was ein Luftreinigungsgerät aus der Raumluft entfernt. Ein Luftreinigungsgerät mit HEPA-H13 Filter entfernt zum Beispiel kleinste Partikel der Größe 0,1 bis 0,3 Mikrometer (1 Mikrometer ist 1tausendstel Millimeter) über 99,95 % aus der Raumluft, ein HEPA-H14 Filter sogar zu 99,995 %, was einer 10-fachen Filterleistung gegenüber einem HEPA-H13 Filter entspricht.

In dieser Größenordnung bewegen sich viele Bakterien und Viren, aber auch Feinstäube und einige Gase. Ein Luftreiniger besitzt ein Gebläse bzw. Ventilationssystem, das die Raumluft ansaugt, durch die Filter strömen lässt und entsprechend der Filterbestückung gereinigt wieder in den Raum abgibt. Die Luftumwälzung (die Leistung des Luftdurchsatzes) ist ein weiteres wichtiges Kriterium für Luftreinigungsgeräte. Ein Luftreiniger filtert nur die Raumluft, welche auch durch die Filter geleitet wird. Deswegen muss die Umwälzleistung der Luftreinigungsgeräte immer an die Raumgröße bzw. das Raumvolumen angepasst sein.

Weniger notwendige Bakterien durch Luftreiniger?

In unserer Raumluft wollen wir weder Schadstoffe noch Mikroorganismen haben, welche unserer Gesundheit schaden. Krankheitserreger werden effektiv mit Luftreinigungsgeräten aus der Raumluft entfernt, sofern sie über HEPA-H13 oder besser HEPA-H14 Filter verfügen. Darunter sind auch positive Bakterien, was aber keine Auswirkungen auf unseren Gesundheitszustand hat. Die für uns notwendigen Bakterien leben bereits in unserem Körper und vermehren sich dort auch ständig. Sie machen ca. 2 kg unseres Körpergewichtes aus und befinden sich zu 99 % in unserem Darm. Wir sind also nicht darauf angewiesen, ständig neue notwendige Bakterien aus der Raumluft „einzufangen“. 

Zum anderen filtert ein Luftreiniger zwar bis zu 99,995 % Partikel aus dem angesaugten Luftstrom, was aber nicht auch gleichzeitig einer zu 99,995 % gereinigten Raumluft entspricht. Das wäre nur in einem Reinraum der Fall, wo ein kompletter Luftaustausch stattfindet. In der normalen Raumluft vermischt sich gereinigte und ungereinigte Raumluft ständig miteinander, sodass sie nie zu 100 % gereinigt ist. 

Aber das muss sie auch nicht, denn ein Krankheitserreger oder 1 Virus reicht nicht aus, um unsere Gesundheit zu gefährden. Die Rede ist von der Viruslast. Umso geringer die Konzentration in virushaltiger Raumluft ist, umso geringer ist die Gefahr einer Ansteckung gegeben. Allerdings sind die genauen Zahlen nicht bekannt, ab welcher Konzentration die Schwelle zur Ansteckung überschritten wird. Zudem ist es individuell bei jedem unterschiedlich, wie das Immunsystem mit der Konzentration von Krankheitserregern gemessen am Raumvolumen umgeht.

Gefahr der zu geringen Luftreinigung

Luftreiniger Gefahr

Es geht keine Gefahr davon aus, dass der Luftreiniger die Luft „zu“ sauber macht! Einen Komplett bakterien- und keimfreien Raum kann man unter normalen Umständen nicht erzeugen!

Bis zu dieser Stelle im Beitrag ist nun klar, dass die Reduzierung der notwendigen Bakterien in der Raumluft durch einen Luftreiniger keine Rolle für unsere Gesundheit spielt. Wir würden mit einem Luftreiniger keinen absoluten keimfreien Raum unter normalen Bedingungen schaffen können.

Somit ist es sehr nützlich, dass ein Luftreiniger mit entsprechender Filterbestückung unsere Gesundheit schützt. Schadstoffe kennen viele als Luftverschmutzung der Auto- und Industrieabgase, besonders in Ballungsgebieten. Auch das Thema Feinstaub, und damit sind lungengängige Kleinstpartikel gemeint, haben effektive Luftreinigungsgeräte in Räumen gut im Griff. 

Für normale Wohnräume sind Luftreiniger mit HEPA-Filter ausreichend, um schädliche Partikel oder Allergene aus der Raumluft zu entfernen, wenn die Durchsatzmenge vom Luftreinigungsgerät stimmt. Die Durchsatzmenge wird oft in m3/h angegeben, also wie viel Kubikmeter Raumluft je Stunde das Luftreinigungsgerät passieren. Oft wird die Wichtigkeit unterschätzt. Als Faustregel sollte ein Luftreiniger das Raumvolumen mindestens 3-mal je Stunde filtern. Das Raumvolumen ergibt sich aus der Fläche in Quadratmetern mal Raumhöhe. Damit wird auch deutlich, dass ein Raum mit 4 Meter hoher Decke das doppelte Raumvolumen gegenüber einer 2 Meter hohen Decke besitzt, also auch die doppelte Durchsatzmenge des Luftreinigers benötigt. 

Hier erfährst du Alles, was du über die Montage eines Luftreinigers wissen musst?

Helfen Luftreiniger gegen die Ansteckung mit Coronaviren?

Ein sehr aktuelles Thema sind Viren seit der Covid-19-Pandemie, allgemein als Corona-Pandemie bezeichnet. Der von Experten bisher erkannte Übertragungsweg beruht maßgeblich auf der Tröpfcheninfektion bzw. auch durch Aerosolpartikel (feinste luftgetragene Flüssigkeitspartikel und Tröpfchenkerne). Die SARS-CoV-2 Viren (Coronaviren) haben eine Größe von 140 bis 160 Nanometer (0,14 bis 0,16 Mikrometer), womit sie im Erfassungsbereich der HEPA-H13 und HEPA-H14 Filter liegen. Da von Ihnen ein sehr hohes Risiko der Ansteckung ausgeht, raten Experten zu den effizienteren HEPA-H14 Filtern, zum Beispiel um in Klassenräumen oder Arztpraxen die Viruslast signifikant zu senken. 

Luftreiniger Coronavirus

Luftreiniger senken allgemein die Virenlast in der Luft. Das gilt auch für das Coronavirus!

Studien haben dazu ergeben, dass der Luftdurchsatz des Luftreinigers in der Stunde dem Sechsfachen des Raumvolumens entsprechen muss. Ein Zimmer in der Arztpraxis, zum Beispiel 10 Meter lang und 8 Meter breit (80 m2) mit einer Deckenhöhe von 2,50 Meter, besitzt ein Raumvolumen von 200 m3. Entsprechend sollte der Luftreiniger mit HEPA-H14 einen Luftdurchsatz vom sechsfachen des Raumvolumens erreichen, also 1.200 m3/h. Ein geringerer Wert ist für virushaltige Luft nicht angeraten und erhöht die Viruslast auf ein gefährliches Niveau. 

Natürlich wirkt sich die höhere Leistung auch auf alle anderen Partikel in der Luft aus, sodass auch freigesetzte Schadstoffe oder luftgetragenen Allergene noch stärker aus der Raumluft ausgefiltert werden. Trotzdem sind alle empfohlenen und verordnetete Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten, um sich vor der Ansteckung mit Krankheitserregern zu schützen. Dazu gehört zum Beispiel in Räumen mit mehreren Personen der einzuhaltende Mindestabstand.

Mein Fazit zu Luftreiniger und notwendige Bakterien

Auch wenn ein Luftreiniger zum Teil notwendige Bakterien aus der Raumluft entfernt, wirkt sich das nicht negativ auf unsere Gesundheit aus und steht in keinem Verhältnis zu den möglichen Ansteckungen durch Krankheitserreger in der Raumluft. Wer sich einen Luftreiniger mit sehr hohem Luftdurchsatz anschaffen will, muss unbedingt auf das Betriebsgeräusch achten. Stärkere Luftreiniger sind oft auch lauter als leistungsschwache Luftreinigungsgeräte.

Wer Zuhause oft Besuch von anderen Personen erhält, sollte zum Schutz gegen die Aerosolpartikel einen Luftreiniger mit HEPA-H14 und dem sechsfachen Luftdurchsatz des Raumvolumens wählen. Da Aerosolpartikel je nach Größe noch Stunden in der Luft verbleiben, ist der Betrieb des Luftreinigers auch dann empfehlenswert, wenn der Besuch bereits den Raum wieder verlassen hat.

Hier kommst du zu unserem allgemeinen Luftreiniger Ratgeber!



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