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Kühlt ein Luftbefeuchter den Raum, oder befeuchtet dieser nur die Luft?

Ein Luftbefeuchter bringt zusätzliche Feuchtigkeit in die Raumluft ein, sodass die relative Luftfeuchtigkeit steigt. Diese Methode dient fast ausschließlich dazu, zu trockener Raumluft entgegenzuwirken. Nun gibt es auch adiabatische Luftkühler, welche sich das Prinzip der Verdunstungskälte zu Nutze machen. Befeuchtet nun ein Luftbefeuchter nur die Raumluft, oder kühlt er sie gleichzeitig? Dieser Frage möchte ich auf den Grund gehen, ob eine Luftkühlung erreicht wird.

Luftbefeuchter kühlender Effekt

Was ist eine Verdunstungskühlung?

Bei der Verdunstung von Wasser wird der Umgebung, im Besonderen der Luft, Wärme entzogen (Phasenwechsel von Wasser zu Dampf). Jeder kennt dieses Prinzip von der nassen Haut, wenn darüber ein Luftzug weht. Es fühlt sich kalt an. So gibt es auch Wasserbeutel aus Leder, welche im Sommer nass gemacht werden und dann trocknen. Durch das Trocknen wird der Inhalt des Beutels abgekühlt. Allerdings hält sich die Kühlleistung in Grenzen.

Nun gibt es einige verschiedene Arten von Geräten, welche die Luft befeuchten. Zum Beispiel:

  • Passive Verdunster
  • Aktive Verdunster (mit Ventilation)
  • Zerstäuber (Ultraschall)
  • Verdampfer

Geht von diesen Geräten zur Befeuchtung der Luft auch eine Luftkühlung aus? Es kommt auf das jeweilige Funktionsprinzip an. Nicht bei allen Luftbefeuchtern wird mit der Verdunstungskälte gearbeitet und zudem entsteht eine Luftkühlung in unterschiedlichen Bereichen. 

Luftbefeuchter kühles Raumklima

Ein Luftbefeuchter führt der Luft Feuchtigkeit zu. Für ein kühleres Raumklima sorgt dieser jedoch nicht!

Passive Verdunster

Hierbei handelt es sich in der Regel um großflächige Wasserbehälter, welche zum Beispiel an den Heizkörpern hängen. Durch die große Oberfläche erleichtern sie der Umgebungsluft, Feuchtigkeit aufzunehmen. Im Prinzip nimmt trockene Raumluft die gebotene Feuchtigkeit auf. Passive Verdunster sind jedoch nur wenig effektiv bei der Befeuchtung der Luft. Auch der Einsatz von Pflanzen als natürliche Luftbefeuchter haben nur eine geringe Effektivität. Entsprechend gering ist auch die Luftkühlung damit. Zudem findet eine Kühlung nur dort statt, wo das Wasser verdunstet, also im Verdunster. In der Umgebungsluft macht sich dieser Kühleffekt nicht bemerkbar.

Aktive Verdunster

Aktive Verdunster arbeiten ganz ähnlich wie die passiven Verdunster, gehen jedoch einen Schritt weiter. Sie besitzen einen Ventilator, welcher gezielt einen Luftstrom über große Verdunstungsflächen führt. Dadurch wird immer neue trockene Luft zugeführt und die Verdunstungsrate steigt erheblich. Im Gegensatz dazu, ist die Luftzirkulation bei passiven Verdunstern sehr gering. Dadurch bleibt lange Zeit die bereits mit Feuchtigkeit gesättigte Luft im oder in der Nähe der Verdunster. Die Wasseraufnahme von gesättigter Luft ist jedoch sehr gering bis gar nicht vorhanden. Aktive Verdunster verbreiten mit dem Luftstrom einen geringen Anteil der Verdunstungskälte. Die Kühlleistung ist aber nur im Luftstrom spürbar und reicht nicht aus, die Raumtemperatur gravierend zu beeinflussen. Von einer spürbaren Luftkühlung kann also nicht gesprochen werden.

Luftbefeuchter als Zerstäuber

Zerstäuber Kühleffekt

Theoretisch sorgen auch Zerstäuber für einen gewissen Kühleffekt. Dieser ist jedoch gering und dementsprechend auch kaum spürbar.

Einen ganz anderen Weg gehen Luftbefeuchter mit dem zerstäuben von Wasser. Ein Ultraschall erzeugendes Piezo-Element zerstäubt Wasser zu feinem Nebel. Das hat jedoch nichts mit der Verdunstungskälte zu tun, denn der Nebel entsteht durch Schallwellen (Ultraschall). Allerdings wird der Nebel mit einem Ventilator in die Raumluft eingebracht, wo er bei trockener Raumluft verdunstet. Tatsächlich geht von diesen Luftbefeuchtern eine geringe Luftkühlung aus. Je nach Leistung des Zerstäubers, kühlt sich geringfügig die Raumluft ab. Jedoch lässt auch dieser Effekt mit Zunahme der Luftfeuchtigkeit ab. Am stärksten ist er bei sehr trockener Raumluft, was aber genau mit dem Luftbefeuchter verhindert werden soll.

Verdampfer zur Luftkühlung

Verdampfer zählen zu den effektivsten Geräten, wenn die Luft nachträglich befeuchtet werden soll. Sie arbeiten unabhängig der vorhandenen Luftfeuchtigkeit und können sogar sehr hohe Feuchtigkeitswerte erzeugen. Aber sie arbeiten nicht mit der Verdunstungskälte oder adiabatischen Kühlung, sondern erhitzen das Wasser über den Siedepunkt (kochen). Dadurch entsteht also keine Luftkühlung, sondern eher das Gegenteil – eine Lufterwärmung.

Theorie und Praxis

Luftbefeuchter Luftkühlung

Die Luftkühlung, die von einem Luftbefeuchter ausgeht ist so gering, dass man diese kaum wahrnehmen kann.

Bis auf den Verdampfer, erzeugen Luftbefeuchter durch die Verdunstungskühlung theoretisch immer auch einen Kühleffekt. In der Praxis ist er aber nicht dort wo er gewünscht wird. Oder aber so gering, dass er vernachlässigbar ist. Eine spürbare Temperatursenkung ist nicht erreichbar. Es gibt aber auch noch einen Haken dabei. 

Das Prinzip der Verdunstungskühlung schützt auch unseren Körper vor Überhitzung. Wird uns zu warm, beginnen wir zu schwitzen. Der Hintergrund dieser evolutionären Entwicklung für den Menschen ist ganz einfach, warum die Haut mit Schweiß befeuchtet wird. Der Schweiß verdunstet an der Luft und dabei entsteht auf der Hautoberfläche eine Verdunstungskühlung. 

Ist die Luft bereits so feucht (gesättigt), dass sie keine Feuchtigkeit mehr aufnimmt, verdunstet auch kein Schweiß mehr. Demzufolge entsteht auch keine Verdunstungskälte auf der Haut. Im feuchten, schwülen Regenwald oder auch in der Sauna, versagt also die Verdunstungskühlung. Würden wir einen Raum durch die Einbringung von Feuchtigkeit permanent kühlen, steigt natürlich auch die Sättigung der Luft immer weiter an.

Grundsätzlich lässt sich aber das Verfahren, mit der Verdunstung Räume zu kühlen, nutzen. Adiabatische Verdunstungskühler sind inzwischen Bestandteil der modernen Kältetechnik, zum Beispiel bei energiesparsamer Kühlung von Hallen oder Wohngebäuden. Allerdings wird dabei nicht die Raumluft mit Feuchtigkeit adiabatisch gekühlt, sondern nur ein Kühlelement. Die adiabatische Luftkühlung wird zum Beispiel in Lüftungsanlagen genutzt. Dabei wird mit dem Abluftschlauch überschüssige Wärme abgeführt und frische Zuluft adiabatisch gekühlt. 

Mein Fazit zu Luftkühlung mit Luftbefeuchtern

Von der theoretischen Überlegung funktioniert die Raumkühlung mit Verdunstungskühler, wie die adiabatischen Kühlanlagen unter Beweis stellen. Ein Luftbefeuchter ist dazu nicht konzipiert und zu leistungsschwach. Zur Temperatursenkung sind dann Klimaanlagen das geeignete Mittel. Damit wird die Luft merklich gekühlt, erfährt allerdings die Luft auch eine Entfeuchtung (siehe dazu auch meinen Beitrag Klimaanlage oder Luftwäscher – verschiedene Einsatzzwecke“). 

Als Hausmittel bei allzu großer Hitze empfehle ich, ein nasses T-Shirt oder nasses Handtuch umzulegen. Dann kann die physikalische Eigenschaft der Verdunstungskühlung am eigenen Körper gespürt werden. Eine Luftkühlung ist dabei jedoch nicht gegeben.

Ohne Verdunstung lässt sich mit Ventilatoren große Hitze überstehen. Sie haben zwar keine Auswirkung auf die Umgebungsluft (keine Luftkühlung), aber der Luftstrom wirkt erfrischend auf der Haut, besonders wenn man sowieso vor Hitze schwitzt. Dann wird sogar die Verdunstungsrate und damit die Kühlleistung der Haut erhöht. Aber Vorsicht – viele bekommen einen steifen Hals, wenn der Schweiß auf der Haut zu sehr durch Luftkühlung abgekühlt wird oder Zug erhält.



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