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Verhindert ein Luftreiniger den so genannten „Fogging“-Effekt?

Seit gut drei Jahrzehnten treten in Wohnungen schwarze Verfärbungen auf, deren Ursachen bis heute nicht eindeutig geklärt sind. Früher wurde das Problem oft nicht erkannt, da der Schwarzstaub leicht mit schwarzem Schimmel verwechselt wird. Heute ist es eindeutig nachweisbar, wann es sich dabei um Schwarzstaub handelt. 

Luftreiniger und der Fogging Effekt

Als Ursache wird ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren in Betracht gezogen, wie aus Untersuchungen des Umweltbundesamtes hervorging. Viele dieser Faktoren lassen sich durch Maßnahmen verhindern. Dazu zählt auch der Einsatz eines Luftreinigers gegen den Fogging-Effekt. In diesem Beitrag gehe ich auf die Problematik und die möglichen Gegenmaßnahmen des Schwarzstaubes ein. Nicht jeder Luftreiniger ist gegen den Fogging-Effekt wirksam.

Was ist Schwarzstaub?

Die Ablagerungen des Schwarzstaubes werden auch als Magic Dust oder Fogging-Effekt bezeichnet. Es bezeichnet schwarze Verfärbungen, zum Beispiel an Wänden oder Decken, welche nicht im Zusammenhang mit schwarzem Schimmel stehen. Dabei können einzelne partielle Flecken entstehen, längliche Rußfahnen oder auch flächendeckende Verfärbungen. In Extremfällen wirkt ein betroffener Raum wie nach einem Schwelbrand auf den Betrachter. 

Tipp: Treten schwarze Verfärbungen in der Wohnung auf, ist es relativ einfach diesen von schwarzem Schimmel zu unterscheiden. Schimmel entwickelt sich langsam über einen längeren Zeitraum. Schwarzstaub kann bereits nach wenigen Stunden oder über Nacht sichtbar werden. Ein Geruch ist bei Schwarzstaub nicht festzustellen. Schwarzer Schimmelpilz verbreitet einen modrigen Geruch. Schimmelpilz lässt sich leicht abwischen. Der Schwarzstaub hinterlässt dabei einen schmierigen, fettigen Belag.

Obwohl die Ursache von Schwarzstaub bis heute noch nicht eindeutig abgeklärt ist, gibt es erkennbare Zusammenhänge. Sehr auffällig ist das vermehrte Auftreten von Schwarzstaub, zum Beispiel nach Renovierungen oder in Neubauten. In betroffenen Wohnungen wurden mehr als 150 verschiedene SVOCs (semivolatile organic compounds) nachgewiesen. Dabei handelt es sich um Kohlenwasserstoffverbindungen, welche eine sehr hohe Verdunstungszahl aufweisen. Damit gelten sie als „schwerflüchtige Kohlenwasserstoffverbindungen“, welche sich sehr lange in der Raumluft halten können. 

Allerdings wurde auch in anderen Wohnungen ein Nachweis für SVOC erbracht, ohne dass es zur Entstehung von Schwarzstaub führt. Es gibt einen eklatanten Zusammenhang zwischen SVOC, dem Heizverhalten und der Luftqualität. So zeigen sich Ablagerungen von Schwarzstaub vor allem während der Heizperiode im Winter und an Wärmebrücken. Zudem sind Räume mit schlechter Luftqualität durch höhere Mengen an Staubpartikel häufiger und stärker von Schwarzstaub betroffen. Der Zigarettenrauch von Raucher scheint dabei eine untergeordnete Rolle zu spielen, da der Fogging-Effekt sowohl in Nichtraucherwohnungen wie auch bei Raucherwohnungen anzutreffen ist. Allerdings verschlechtert der Zigarettenrauch die Luftqualität, was ein Baustein im Zusammenspiel mit dem Magic Dust ist.

Wie kann ein Luftreiniger gegen den Schwarzstaub helfen?

Ohne die genaue Ursache zu kennen, gibt es auch nicht das eine wirksame Gegenmittel. Aber Luftreiniger helfen, einige begünstigende Faktoren für den Schwarzstaub auszuschalten. Luftreiniger reinigen die Raumluft über Filter, welche je nach Filterklasse Partikel aus der Raumluft entfernen. Sehr gute Ergebnisse liefern Luftreiniger, wenn sie mit hocheffizienten Schwebstofffiltern (HEPA- High Efficient Particulate Air Filter) ausgerüstet sind. Je nach Klassifizierung H13 oder H14, können sie kleinste Partikel mit einer Größe ab 0,3 Mikrometer zu über 99% aus der Raumluft filtern.

In dieser Größenordnung und höher, liegen die meisten Beeinträchtigungen der Raumluft durch Hausstaub und Feinstaub. Die Luftqualität wird dadurch merklich besser, wenn auch nicht absolut rein. Es gibt nämlich auch noch kleinere Partikel bis hin zu gasförmigen Schadstoffen, wozu auch die SVOC gehören. Werden nur die Partikel ab 0,3 Mikrometer durch Luftreiniger entfernt, ist es schon eine wirkungsvolle Gegenmaßnahme für Fogging. 

Luftreiniger gegen Schwarzstaub

Auch wenn die genaue Ursache von Schwarzstaub nicht bekannt ist, geht man davon aus, dass der Einsatz eines Luftreinigers eine wirkungsvolle Maßnahme gegen den Fogging darstellt.

Einsatz von Aktivkohlefilter

Noch effektiver wird ein Luftreiniger gegen Schwarzstaub, wenn er auch die SVOC reduzieren kann. Laut dem Umweltbundesamt stammen die meisten SVOC von chemischen Ausdünstungen in Wohnungen. Besonders die Weichmacher Phtalate in Kunststoffen, Farben, Teppichen und Teppichklebern oder Möbeln stehen im engen Zusammenhang mit dem Fogging-Effekt. Um diese SVOC auszufiltern, bedarf es noch feinerer Filterstufen. Bei gasförmigen Substanzen wirken Aktivkohlefilter. Sie können je nach Art der Aktivkohle selbst Gase in der Filterkohle binden. 

Partikel von Schwarzstaub sind nur ca. 50 Nanometer groß. HEPA-Filter haben ihre Effizienz bei 0,3 Mikrometer, was 300 Nanometern entspricht – also sechsmal so groß. Die Porengröße der Aktivkohle richtet sich nach der Körnung. Es gibt Aktivkohle mit:

  • Makroporen – Porengröße über 50 Nanometer
  • Mesoporen – Porengröße von 2 bis 50 Nanometer
  • Mikroporen – Porengröße unter 2 Nanometer

Selbst ein Aktivkohlefilter muss also mindestens Mesoporen aufweisen, um Schwarzstaub ausfiltern zu können. Aber jeder Aktivkohlefilter bindet durch Adsorption viele der SVOC. Selbst ohne Schwarzstaub gelten die Weichmacher in Produkten und vor allem der Raumluft als gesundheitsbedenklich und krebsverdächtig. Es ist also nie ein Fehler, Weichmacher von den Atemwegen fern zu halten.

Meine Ratschläge gegen Schwarzstaub

Es gibt viele Faktoren, welche scheinbar im Zusammenspiel miteinander die Bildung von Schwarzstaub begünstigen. Das Auftreten des Fogging-Effekts in Neubauten oder frisch renovierten Wohnungen, lässt sich durch starke Ausdünstungen erklären. Der sogenannte „Neugeruch“ einer Wohnung verrät bereits, das hier Substanzen in der Luft sind die mit der Zeit nachlassen. So weit wie möglich, sollte auf Materialien mit Weichmachern verzichtet werden. Viele gesundheitsbewusste Menschen machen das schon generell, auch bei anderen Produkten wie Buntstiften oder Plastikprodukten.

Tipps gegen Schwarzstaub

Im folgenden siehst du meine 3 besten Tipps gegen die Bildung von Schwarzstaub.

Bau- und Renovierungsmaterial

Vorsicht bei der Auswahl von Farben, besonders bei Lacken. Es ist wichtig auf die Inhaltsstoffe zu achten. Informationen dazu hält der Hersteller bereit. Dazu gibt es auch bei Institutionen wie zum Beispiel Öko-Test, Stiftung Warentest oder der Verbraucherzentrale wertvolle Informationen und Tests. 

Wärmebrücken beseitigen

Eine weitere Ursache für den Magic Dust ist in Wärmebrücken zu erkennen. Der Schwarzstaub schlägt sich vorwiegend bei gravierenden Temperaturunterschieden zwischen Raumluft und kälteren Flächen nieder. Wärmebrücken sind Flächen oder Stellen, wo deutlich mehr Wärme nach außen verloren geht, als es bei guter Isolation der Fall ist. Wärmebrücken sind in einer energieeffizienten Bauweise grundsätzlich zu vermeiden. Bildet sich trotzdem an einigen Stellen trotz guter Wärmedämmung Schwarzstaub an den Wänden, ist dies ein Zeichen für eine übersehene Wärmebrücke. 

Wärmebildkameras und Messgeräte zur Ermittlung von Wärmebrücken, gehören bei Fachleuten für Energieberatung zur Standardausrüstung. Wärmebrücken sind oft auch die Ursache für Schimmelbildung, da sich die Feuchtigkeit aus der warmen Raumluft dort niederschlägt (Kondensiert).

Richtiges Heizverhalten

Große Temperaturunterschiede sind bei Wärmebrücken eine der Ursachen für den Fogging-Effekt. Genauso verhält es sich, wenn ein Raum tagsüber auskühlt und abends dann aufgeheizt wird. Die Raumluft nimmt schneller die Wärme auf als die kalten Wände. Es ist besser die Wohnräume nie ganz auskühlen zu lassen. Dann entstehen erst gar keine großen Temperaturunterschiede, welche häufig auch die Ursache für eine Schimmelbildung sind.

Auch die Wärmeverteilung der Heizkörper spielt mit eine Rolle. Muss ein kleiner Heizkörper bei einer großen Raumgröße den Raum aufheizen, muss er sehr heiß sein. Bis die Wärme im ganzen Raum auf die Luft übertragen wird, dauert es entsprechend lange. Noch länger bis dann auch die Wände die Temperatur angenommen haben. 

Luftreinigungsgeräte gibt es in unterschiedlichen Arten (Luftreiniger, Luftwäscher, Ionisator) und einer großen Modellvielfalt auf dem Markt. Nicht alle bekämpfen Schwarzstaub bzw. die Ursachen dafür. 

Wie oben schon ausführlich beschrieben, ist die richtige Filter-Klassifikation entscheidend. Effektive Luftreiniger besitzen dazu die HEPA-Filter. Wenn auch der Luftreiniger nicht direkt den Schwarzstaub aus der Raumluft entfernt, beseitigt er doch einige der Ursachen für das Fogging. Dazu gehört die Verbesserung der Luftqualität. 

Luftwäscher schaffen nur Partikel ab 1 Mikrometer aus der Luft zu filtern, was auch die Luftqualität verbessert. Im Vergleich zu Luftreinigern ist die Luftqualität bei Luftwäschern etwas schlechter. Anders sieht es aus, wenn auch der Luftwäscher zusätzlich mit HEPA-Filtern oder gar Aktivkohlefilter arbeitet.

Ionisatoren haben bei der Luftreinigung zwei Nachteile. Sie filtern die Luft nicht wirklich, sondern vergrößern durch Cluster-Bildung nur die Partikel. Das kann nützlich sein, weil dann auch ein HEPA-Filter die sonst noch kleineren Partikel erfassen kann. Allerdings erzeugen fast alle Ionisatoren auch Ozon, was in höherer Konzentration schädlich ist.

Wichtig ist nicht nur die Filterausstattung, sondern auch die Leistung eines Luftreinigers. Er kann nicht effektiv die Luftqualität verbessern, wenn er nur einen kleinen Teil der Raumluft erfasst. Deswegen muss die Leistung der Raumgröße angepasst sein. Ich empfehle die Leistung (Kubikmeter Luft je Stunde – m3/h) so hoch zu wählen, dass der Luftinhalt der jeweiligen Raumgröße (Kubikmeter) alle 30 Minuten gefiltert wird. Grundsätzlich sind effektive Luftreiniger immer ein Gewinn in Wohnungen und Häuser, auch ohne das Fogging. Weniger Staubpartikel in der Luft belasten auch die Atemwege weniger.

Befindet sich schon vor der Anschaffung von einem Luftreiniger Schwarzstaub in der Wohnung, kann er mit etwas Spülmittel abgewischt werden. Bei Tapeten ist in der Regel eine Erneuerung notwendig. Schwarzstaub einfach mit Farbe zu Übermalen funktioniert nicht.

Richtiges Lüften, vor allem während der Heizperiode, verringert ebenfalls das Risiko des Fogging bzw. Ablagerungen von Schwarzstaub.

Vor Allem in Räumen ohne Fenster kommt es häufig zu Schwarzstaub. Erfahre hier wie du Räume ohne Fenster „lüften“ kannst.

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